testimonials sind ja eine wunderbare sache, man kann sie selbst entwickeln, wie zb sehr gut mit hausverstand gemacht für billa oder aber man greift auf bekannte gesichter zurück, kauft so werte des testimonials ein und überträgt sie auf die eigene marke. ein nicht ganz ungefährliches unterfangen, denn testimonials, sofern es sich um menschen handelt, sind natürlich fehlbar und dann kann das gesicht für die kampagne schnell zum mühlstein werden.
man stelle sich eine bankenwerbung mit karl heinz grasser vor... obwohl..
soll heißen, als unternehmen sollte man sich ganz genau ansehen, wen man zum aushängeschild seines eigenen unternehmens machen will. doch auch umgekehrt sollten sich "prominente" (und jene die dafür gehalten werden), und um solche handelt es sich häufig, fragen, ob sie für das unternehmen x oder y überhaupt werben wollen? ein schönes anschauliches beispiel dafür liefert soeben die popband "wir sind helden" ab, die sich schlicht weigerte für die bild-zeitung das liberale aufgeklärte gesicht zu geben.
hier nun die anfrage der agentur jvm /alster und die antwort von "wir sind helden" (quelle: http://www.wirsindhelden.de/)
Die Anfrage
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-Kampagne betraut, in der wir hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.
Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat- und Anzeigenmotive sollen die bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.
Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern “Wir sind Helden” gewinnen.
Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD spendet in Namen jedes Prominenten 10.000,- Euro an einen von Ihnen zu bestimmenden Zweck.
Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende Informationen.
Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören.
Herzliche Grüße aus Hamburg,
Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH
Unsere Antwort
Liebe Werbeagentur Jung von Matt,
bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -Kampagne mitmachen wollen:
Ich glaub, es hackt.
Die laufende Plakat-Aktion der Bild-Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.
Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/evil/zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll's, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt's: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!
Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever- Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.
Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -Zeitung, die traut sich was.
Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…
Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.
Die BILD -Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.
Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.
Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes
Freitag, 25. Februar 2011
Donnerstag, 17. Februar 2011
neid und das unausweichliche gesudere
über den öbb-pitch ist ja schon viel geschrieben worden und ich kann mich der auch oft harsch geäußerten kritik nur anschließen.
17 agenturen einzuladen, von all diesen eine strategiepräsentation zu verlangen inkl. ersten skribbels und den 12 unterlegenen dieser ersten runde kein abstandshonorar zu bezahlen, ist einfach unsittlich und zeugt von wenig professioneller kenntnis.
5 agenturen haben es dann in die zweite runde geschafft und wiederum 3 davon ins sogenannte finale. ganz österreich wartet nun auf die entscheidung, damit dann über diese öffentlich diskutiert werden kann.
nun hat aber ein branchenmedium beschlossen, nicht so lange warten zu wollen und das zu erwartende neidgesudere schon vor der offiziellen verlautbarung zu entfachen.
http://derstandard.at/1297818239369/OeBB-Pitch-Wer-wird-gewinnen
ich finde das schäbig, vor allem weil schon der einleitende text in einer ersten version tendenziös war. so schaut also in österreich seriöse qualitative berichterstattung aus.
17 agenturen einzuladen, von all diesen eine strategiepräsentation zu verlangen inkl. ersten skribbels und den 12 unterlegenen dieser ersten runde kein abstandshonorar zu bezahlen, ist einfach unsittlich und zeugt von wenig professioneller kenntnis.
5 agenturen haben es dann in die zweite runde geschafft und wiederum 3 davon ins sogenannte finale. ganz österreich wartet nun auf die entscheidung, damit dann über diese öffentlich diskutiert werden kann.
nun hat aber ein branchenmedium beschlossen, nicht so lange warten zu wollen und das zu erwartende neidgesudere schon vor der offiziellen verlautbarung zu entfachen.
http://derstandard.at/1297818239369/OeBB-Pitch-Wer-wird-gewinnen
ich finde das schäbig, vor allem weil schon der einleitende text in einer ersten version tendenziös war. so schaut also in österreich seriöse qualitative berichterstattung aus.
Mittwoch, 2. Februar 2011
referenzen / geistiges eigentum
wir sind ja eine sehr umtriebige branche, fast jeden tag gibt es eine neugründung, ob nun epu oder kmu, ganz ganz selten wird auch eine neue großagentur aus der taufe gehoben.
in den letzten jahren kann man bezüglich dieser neugründungen einen trend erkennen, den ich persönlich ein wenig anmaßend finde.
die gründerinnen und gründer geben schon nach dem ersten tag oft seitenweise referenzen an. das verblüfft, ist es doch eher unwahrscheinlich, das who is who der österreichischen markenwelt innerhalb eines tages erobert zu haben. zudem weiß man es ja oft besser und ist sich sicher, dass etat x oder y ganz sicher bei einer anderen agentur angesiedelt ist.
wie kommt es dennoch zu dieser vermehrung der etats und somit der referenzen?
die lieben kolleginnen und kollegen bedienen sich eines tricks, der für mich schon ein wenig an anmaßung grenzt, sie arbeiten ihre persönliche historie auf. soll heißen ein jeder kunde für den sie zumeist als angestellte bei anderen agenturen gearbeitet haben, wird als referenz für die neue agentur angeführt.oftmals nur als namedropping selten durch das zeigen tatsächlicher arbeiten. ich finde das eigentlich irreführend, denn einen etat zu gewinnen und zu betreuen ist ja die arbeit vieler und nicht das verdienst eines einzelnen. der vertrag wurde auch nicht mit einem ad oder cd abgeschlossen sondern mit einer agentur. warum dieser referenzwildwuchs noch nie wirklich in frage gestellt wurde, entzieht sich meiner kenntnis. es ist aber ein weiteres puzzelstein für den schlechten ruf einer branche, die es anscheinend nötig hat, mit fremden federn geschmückt, auf kundenfang zu gehen.
in den letzten jahren kann man bezüglich dieser neugründungen einen trend erkennen, den ich persönlich ein wenig anmaßend finde.
die gründerinnen und gründer geben schon nach dem ersten tag oft seitenweise referenzen an. das verblüfft, ist es doch eher unwahrscheinlich, das who is who der österreichischen markenwelt innerhalb eines tages erobert zu haben. zudem weiß man es ja oft besser und ist sich sicher, dass etat x oder y ganz sicher bei einer anderen agentur angesiedelt ist.
wie kommt es dennoch zu dieser vermehrung der etats und somit der referenzen?
die lieben kolleginnen und kollegen bedienen sich eines tricks, der für mich schon ein wenig an anmaßung grenzt, sie arbeiten ihre persönliche historie auf. soll heißen ein jeder kunde für den sie zumeist als angestellte bei anderen agenturen gearbeitet haben, wird als referenz für die neue agentur angeführt.oftmals nur als namedropping selten durch das zeigen tatsächlicher arbeiten. ich finde das eigentlich irreführend, denn einen etat zu gewinnen und zu betreuen ist ja die arbeit vieler und nicht das verdienst eines einzelnen. der vertrag wurde auch nicht mit einem ad oder cd abgeschlossen sondern mit einer agentur. warum dieser referenzwildwuchs noch nie wirklich in frage gestellt wurde, entzieht sich meiner kenntnis. es ist aber ein weiteres puzzelstein für den schlechten ruf einer branche, die es anscheinend nötig hat, mit fremden federn geschmückt, auf kundenfang zu gehen.
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